Der Kelpie, ein bösartiger Wassergeist aus der keltischen Mythologie, haust in den tiefen Seen und Flüssen Schottlands. Seine größte Freude ist es, ahnungslosen Wanderern aufzulauern.
Die tödliche List des Wasserpferdes
In seiner häufigsten Gestalt, der eines prächtigen Pferdes, steigt er triefend nass aus dem Wasser. Scheinbar zufällig wartet er, bereits fertig gesattelt und aufgezäumt, an einer Wegbiegung auf einen müden Reisenden. Wer dem verlockenden Angebot nachgibt und sich auf seinen Rücken schwingt, ist verloren.
Davor ist dringend abzuraten! Die nasse Mähne des Pferdes schlingt sich wie Fesseln um den Körper des Reiters und macht jede Flucht unmöglich. In rasender Geschwindigkeit stürmt der Kelpie zurück zum Ufer und stürzt sich mitsamt seinem Opfer in die Fluten. Noch bevor er die tiefste Stelle des Gewässers erreicht, ist der Reiter ertrunken. Anschließend verschlingt der Kelpie genüsslich seine Beute.
Gefahr in Menschengestalt
Manchmal wählt der Kelpie auch eine menschliche Form. Dann versteckt er sich in Ufernähe im hohen Gras und lauert Reitern auf. Im richtigen Moment springt er blitzschnell hinter sein Opfer auf den Pferderücken. Mit seinen unheimlich behaarten und starken Armen umschlingt er den Reiter und drückt so fest zu, bis diesem die Luft zum Atmen wegbleibt. Sobald das Opfer erstickt ist, lässt sich der Kelpie mitsamt dem leblosen Körper rücklings ins Wasser fallen und genießt in der Tiefe sein grausames Festmahl.
Wie man den Kelpie bezwingen kann
Es gibt zwei bekannte Mittel, um die Macht eines Kelpies zu brechen:
1. Der Zauber des Brautschleiers
Erkennt man einen Kelpie, ganz gleich in welcher Gestalt, muss man ihm blitzschnell einen Brautschleier überwerfen. Dadurch verliert er augenblicklich seinen eigenen Willen und wird gefügig. Doch Vorsicht ist geboten: Sobald der Schleier verrutscht, erlangt der Kelpie seine dämonischen Kräfte zurück und seine Rache wird fürchterlich sein.
2. Die Macht des Zaumzeugs
Eingeweihte, die um die Natur des Kelpies wissen, tragen oft ein gewöhnliches Zaumzeug bei sich. Wenn sie einen Kelpie erblicken, schwingen sie sich freiwillig auf seinen Rücken, um ihm sofort das Zaumzeug überzuziehen. Ist dies geschafft, muss der Kelpie seinem Bezwinger gehorchen und kann für ihn die erstaunlichsten Arbeiten verrichten.
Aber auch hier ist Weisheit gefragt. Wer einen Kelpie versklavt und ihn bis aufs Letzte ausbeutet, wird es bereuen. Bei der ersten Gelegenheit wird sich der Wassergeist befreien und seinen Peiniger – und dessen gesamte Nachkommenschaft – mit einem ewigen Fluch belegen.
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