Neben den bekannten heiligen Schriften gibt es unzählige alte Legenden, die versuchen, die Herkunft der mächtigsten Wesen zu ergründen. Eine der faszinierendsten Erzählungen ist die über den Erzengel Michael, denn sie beginnt nicht im Himmel, sondern auf der Erde – mit dem ersten Menschen.
War Michael einst ein sterblicher Mensch?
Eine weniger bekannte, aber umso spannendere Legende erzählt, dass Michael einst ein sterblicher Mensch war – und zwar kein Geringerer als Adam, der erste Mann aus dem Garten Eden. Nachdem er aus dem Paradies vertrieben wurde, so die Geschichte, lebte Adam ein Leben voller Reue und Frömmigkeit. Er soll keine einzige weitere Sünde begangen und sich stattdessen unermüdlich für den Schutz der Menschheit eingesetzt haben.
Als er starb, wurde seine außergewöhnlich reine Seele nicht einfach nur ins Jenseits geleitet, sondern direkt in den Himmel erhoben. Dort erkannte man sein Potenzial und vertraute ihm eine Reihe von wichtigen Aufgaben an, die sein Schicksal für immer verändern sollten.
Der Wächter der Seelen und die Waage der Gerechtigkeit
Seine erste Aufgabe im Himmel war die eines himmlischen Chronisten. Michael wurde zum Hüter des großen Buches, in dem jede gute und jede schlechte Tat einer Menschenseele verzeichnet war. Am Tag des Todes, so heißt es, tritt Michael an die Seite des Verstorbenen und zeigt ihm die Bilanz seines Lebens.
Doch Michael wollte mehr sein als nur ein Schreiber. Aus seinem tiefen Gefühl für Gerechtigkeit heraus übernahm er eine weitere, entscheidende Rolle: Er wurde zum Seelenwäger. Mit einer goldenen Waage wiegt er die Herzen der Verstorbenen, um das Gewicht ihrer Taten zu ermitteln. Dieses Ergebnis legt er am Tag des Jüngsten Gericht vor und wird so zu einem wichtigen Zeugen für die endgültige Entscheidung über das Schicksal einer Seele.
Vom Schreiber zum unbesiegbaren Krieger
Lange Zeit herrschte Frieden, doch dann geriet die himmlische Ordnung in Gefahr. Luzifer, der einst strahlendste aller Engel, lehnte sich gegen Gott auf. An seiner Seite kämpften Drachen, Dämonen und eine ganze Armee abtrünniger Engel, die den Himmel ins Chaos stürzen wollten.
In dieser dunkelsten Stunde erinnerte man sich an Michaels unbezwingbaren Geist und sein kämpferisches Herz. Gott selbst rief ihn zu sich und bat ihn, die Verteidigung des Himmels anzuführen. Michael legte die Feder des Chronisten beiseite und ergriff das flammende Schwert. In einer gewaltigen Schlacht stellte er sich Luzifer entgegen und verbannte ihn und seine Heerscharen aus dem Himmel. Von diesem Tag an war er nicht mehr nur der Wächter der Seelen, sondern der Anführer der himmlischen Armeen, der jeden Tag aufs Neue den Kampf gegen das Böse aufnimmt.
Die Titel eines himmlischen Fürsten
Mit jedem Sieg und jeder heldenhaften Tat wuchs Michaels Ansehen im Himmel. Er stieg durch die Ränge auf und sammelte mehr Ehrentitel als jeder andere Engel vor ihm. Diese Titel sind nicht nur Namen, sondern ein Beweis für seine Macht und seine Stellung:
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Fürst der Seraphim: Anführer des höchsten und mächtigsten Engelschors.
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Fürst der Gegenwart: Einer der wenigen Engel, die jederzeit vor Gottes Thron treten dürfen.
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Fürst der Sarim: Ein hebräischer Titel, der ihn als einen der obersten Prinzen des Himmels auszeichnet.
Als größte Anerkennung wurde ihm schließlich sogar die Regentschaft über den Vierten Himmel übertragen – ein eigenes Reich innerhalb der himmlischen Sphären. So vollendete sich die unglaubliche Reise von Adam, dem gefallenen Menschen, zu Michael, dem strahlenden Krieger und unbestrittenen Kommandanten des Lichts.
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