Der ägyptische Gott Anubis als muskulöse Gestalt mit dem Kopf eines schwarzen Schakals und leuchtend gelben Augen. Er hält eine goldene Waage, auf der in der einen Schale ein rotes Herz und in der anderen eine weiße Feder liegt – die Zeremonie der Herzwäg

Anubis: Der ägyptische Gott der Toten und Hüter der Unterwelt

In der Stille der Grabkammern, wo das Diesseits dem Jenseits weicht, wacht ein Gott mit dem Kopf eines Schakals. Anubis, der Herr des heiligen Landes, geleitet die Seelen der Verstorbenen auf ihrer letzten Reise. Er ist es, der die Herzen der Toten gegen eine Feder wiegt und über ihr ewiges Schicksal entscheidet.

Steckbrief: Anubis

Das Wichtigste über Anubis auf einen Blick:

Kategorie
Götter, Totengott
Mythologie / Legende
Altägyptisch
Abstammung / Ursprung
Sohn des Gottes Osiris und dessen Schwester Nephthys (in den meisten Überlieferungen)
Lebensraum
Duat (die ägyptische Unterwelt), Nekropolen (Totenstädte)
Verbreitungsgebiet
Gesamtes antikes Ägypten, insbesondere Abydos und Kynopolis
Typischer Aufenthaltsort
Balsamierungswerkstätten, Grabkammern, Halle des Urteils (»Halle der zwei Wahrheiten«)
Äußere Erscheinung
Dargestellt als Mensch mit dem schwarzen Kopf eines Schakals oder als vollständiger Schakal. Trägt oft ein Was-Zepter und ein Anch-Symbol
Charakter
Gerecht, streng, beschützend, unparteiisch, fürsorglich gegenüber den Toten
Besonderheit
Herrschaft über die Einbalsamierung und Mumifizierung, Schutz der Gräber, Führung und Beurteilung der Seelen, Öffnung des Mundes bei Ritualen
Lebenserwartung
Unsterblich
Seinsform
Göttlich, physisch manifestiert
Symbolik
Tod, Schutz, Wiedergeburt, Gerechtigkeit, Übergang ins Jenseits

Eigenschaften von Anubis

Fakten, Legenden und moderne Mythen

Wie sieht Anubis aus?

Anubis tritt in den Legenden in zwei eindrucksvollen Formen in Erscheinung. Oft wird er als ein vollständig schwarzer Schakal dargestellt, der wachsam auf Gräbern und Tempeln liegt und die heiligen Stätten beschützt. Seine bekanntere Gestalt ist jedoch die eines hochgewachsenen Mannes mit einem muskulösen, sehnigen Körper und dem Kopf eines Schakals. Seine Ohren sind aufmerksam aufgestellt und sein Blick strahlt eine ernste, undurchdringliche Ruhe aus.

Die schwarze Farbe seiner Haut ist dabei kein Zeichen des Bösen. Sie symbolisiert die Farbe des fruchtbaren Nilschlamms und steht für Wiedergeburt und die Überwindung des Todes. In seinen Händen hält Anubis oft zwei mächtige Symbole. In der einen Hand trägt er das Ankh, den Schlüssel des Lebens, der für die Ewigkeit und das Fortbestehen der Seele steht. In der anderen Hand hält er das göttliche Was-Zepter, einen langen Stab mit einem stilisierten Tierkopf an der Spitze, der als Zeichen seiner Macht über das Schicksal der Verstorbenen gilt.

Lebensweise und Verhalten

Als Schutzgott der Einbalsamierer und Wächter der Totenstädte ist Anubis' Verhalten von ernster Konzentration und absoluter Unparteilichkeit geprägt. Er ist weder gut noch böse, sondern verkörpert die reine, unbestechliche Gerechtigkeit der Götter. Seine wichtigste Aufgabe ist es, über die heiligen Rituale der Mumifizierung zu wachen.

Unter seinem Blick wird der Leichnam für die Ewigkeit vorbereitet: Die Organe werden entnommen, der Körper mit Natronsalz getrocknet und sorgfältig in Leinenbinden gewickelt, zwischen denen schützende Amulette platziert werden. Anschließend begleitet er die Seelen der Verstorbenen sicher auf ihrem Weg durch die Unterwelt, bis sie die Halle des Jüngsten Gerichts erreichen.

Magische Fähigkeiten und besondere Kräfte

Anubis besitzt zwei entscheidende magische Fähigkeiten, die über das Schicksal der Toten bestimmen.

Eine seiner zentralen Kräfte ist die »Öffnung des Mundes«-Zeremonie. Nach der Mumifizierung führt Anubis dieses Ritual durch, um der Seele ihre Sinne zurückzugeben. Mit speziellen, magischen Instrumenten berührt er den Mund und die Augen der Mumie, um ihr symbolisch die Fähigkeit zum Sprechen, Sehen, Hören und Essen im Jenseits zu verleihen. Erst durch diesen Akt wird aus dem stillen Leichnam eine im Jenseits wieder handlungsfähige Person.

Seine größte Macht entfaltet sich jedoch während des Totengerichts, wo er das Ritual des »Wiegens des Herzens« vollzieht. Er legt das Herz des Verstorbenen, den Sitz des Gewissens, auf die eine Schale einer heiligen Waage. Als Gegengewicht dient ihm die Feder der Ma'at, das Symbol für Wahrheit. Dieses Urteil ist endgültig: Ist das Herz leicht, öffnet Anubis der Seele den Weg ins Paradies. Ist es jedoch von schlechten Taten beschwert, wird es an die Dämonin Ammit verfüttert und die Existenz der Seele findet ihre endgültige Auslöschung.

Anubis in Games, Filmen und Büchern

Anubis Rolle als Wächter der Unterwelt macht ihn zu einem faszinierenden Charakter für Geschichten über Magie, Abenteuer und das Übernatürliche.

  • In Filmen und Serien: Eine seiner bekanntesten Darstellungen findet sich im Sci-Fi-Film »Stargate« (1994) und der darauffolgenden Serie. Hier tritt er als mächtiger und grausamer Goa'uld-Systemlord auf. Auch in der Buchverfilmung »American Gods« von Neil Gaiman begegnet uns Anubis (unter dem Namen Jacquel) als Totengott, der in der modernen Welt seinen alten Pflichten nachgeht. In der Filmreihe »Die Mumie« ist seine Armee von Schakalkriegern eine tödliche Bedrohung.

  • In Videospielen: In der Welt der Games ist Anubis ein beliebter Charakter. In »Assassin's Creed: Origins« können Spieler in den »Prüfungen der Götter« direkt gegen eine riesige Manifestation von Anubis kämpfen. Im MOBA-Spiel »Smite« ist Anubis ein spielbarer Magier, und auch in vielen anderen Spielen wie der »Final Fantasy«-Reihe taucht er als mächtiger Gegner oder Beschwörung auf.

Ursprung & Legenden: Die Geschichte von Anubis

Die Legenden um den Schakalgott Anubis sind so alt wie die Pyramiden selbst und seine wahre Herkunft ist von vielen Geheimnissen umgeben. Als Wächter der Toten und Begleiter der Seelen nimmt er eine der wichtigsten Rollen in der Welt der ägyptischen Götter ein. Doch wer war dieser stille Gott, bevor er zum Herrn der Einbalsamierung wurde? Die Mythen flüstern verschiedene Antworten, doch eine Geschichte wird mit besonderem Eifer erzählt – eine Geschichte von List, Verrat und einer unerwarteten Treue.

Eine folgenschwere List in der Götterwelt

Am Anfang dieser Legende steht Nephthys, die Gemahlin des Wüstengottes Seth. Sie hegte einen brennenden Wunsch nach einem Kind, doch ihre Ehe blieb kinderlos. In ihrer Verzweiflung ersann sie eine kühne List: Sie verkleidete sich als ihre Zwillingsschwester Isis, die anmutige Gemahlin des Osiris, und verführte so ihren eigenen Schwager. Osiris, der die Täuschung nicht bemerkte, zeugte mit ihr einen Sohn: Anubis.

Von der Verratenen zur Beschützerin

Doch die Geburt stürzte Nephthys in tiefe Furcht. Sie wusste, dass ihr Gemahl Seth den unehelichen Sohn aus Rachedurst töten würde, sollte er von seiner Existenz erfahren. Zerrissen zwischen Mutterliebe und Todesangst, traf sie eine schwere Entscheidung: Sie vertraute das Kind ihrer Schwester Isis an.

Isis, obwohl sie hintergangen wurde, zeigte göttliche Größe. Sie nahm den kleinen Anubis bei sich auf und zog ihn wie ihren eigenen Sohn auf, um ihn vor Seths Zorn zu schützen. Durch diese selbstlose Tat schmiedete sie ein unzerbrechliches Band der Treue. Anubis wurde zu ihrem loyalsten Verbündeten – eine Loyalität, die sich auf tragische Weise bewähren musste, als Seth seinen Plan zum Mord an Osiris in die Tat umsetzte.

Die Erfindung der Mumie und der ewige Auftrag

Jahre später schlug die Tragödie zu: Der eifersüchtige Seth ermordete seinen Bruder Osiris heimtückisch und zerstückelte dessen Leichnam, um eine Wiederbelebung unmöglich zu machen. Verzweifelt sammelte Isis die Teile ihres geliebten Mannes aus allen Ecken Ägyptens zusammen. An ihrer Seite war der inzwischen erwachsene Anubis.

Angetrieben von seiner tiefen Zuneigung zu seinem Vater und seiner Adoptivmutter, vollbrachte Anubis eine Tat, die ihn zur Legende machen sollte. Um den Körper des Osiris vor dem Verfall zu bewahren und ihm eine Reise ins Jenseits zu ermöglichen, entwickelte Anubis die Kunst der Einbalsamierung. Mit unübertroffener Sorgfalt setzte er die Körperteile zusammen, wickelte sie in Leinenbinden und sprach die heiligen Formeln. So erschuf er die allererste Mumie.

Durch diesen Akt der Hingabe wurde Anubis nicht nur zum Retter seines Vaters, sondern erhielt auch seine ewige Bestimmung: Er wurde zum Gott der Mumifizierung, zum Beschützer der Gräber und zum gerechten Führer, der jede Seele sicher in die Unterwelt geleitet.

Häufig gestellte Fragen zu Anubis

FAQ - Häufig gestellte Fragen zu Anubis

War Anubis böse?

Nein, Anubis galt nicht als böse. Er war ein strenger, aber gerechter Richter und ein Beschützer der Toten. Seine Aufgabe war es, für Ordnung im Übergang ins Jenseits zu sorgen und die Verstorbenen vor Gefahren zu bewahren.

Zuletzt aktualisiert am 02.09.2025 von Lysandra.

Warum hat Anubis den Kopf eines Schakals?

Schakale waren im alten Ägypten eng mit den Wüstenrändern und den Nekropolen (Totenstädten) verbunden, wo sie oft die Gräber bewachten oder umherstreiften. Ihre schwarze Farbe symbolisierte nicht das Böse, sondern die Fruchtbarkeit und die Wiedergeburt, ähnlich der Farbe des Nilschlamms.

Zuletzt aktualisiert am 02.09.2025 von Lysandra.

Was ist der Unterschied zwischen Anubis und Osiris?

Anubis war ursprünglich der wichtigste Totengott, wurde aber später in dieser Rolle von Osiris abgelöst. Danach war Anubis primär für die Mumifizierung, die Grabrituale und das »Wiegen des Herzens« zuständig, während Osiris zum Herrscher der Unterwelt wurde.

Zuletzt aktualisiert am 02.09.2025 von Lysandra.

Was hält Anubis in seinen Händen?

Anubis wird oft mit zwei wichtigen Symbolen dargestellt: dem Ankh, dem Symbol des Lebens, und einem Was-Zepter, einem Stab, der Macht und Herrschaft symbolisiert.

Zuletzt aktualisiert am 02.09.2025 von Lysandra.

Einen Kommentar schreiben

Bitte rechnen Sie 7 plus 2.

Informationen und Quellen zu Anubis

Anubis

Ein gut recherchierter und mit Quellenangaben versehener Artikel, der die Mythen und die Rolle des Anubis für ein breites Publikum verständlich und zuverlässig darstellt.

World History Encyclopedia - Anubis

Gods of Ancient Egypt: Anubis

Der Blog des British Museum bietet zugängliche, aber von Experten geprüfte Informationen, die sich direkt auf Objekte in einer der weltweit wichtigsten Sammlungen ägyptischer Altertümer beziehen.

The British Museum Blog - Anubis

Das Ägyptische Totenbuch

Als Primärquelle ist das Totenbuch essenziell, um die Rolle des Anubis beim »Wiegen des Herzens« und der Führung der Verstorbenen im Jenseits in den Originaltexten nachzuvollziehen. Die kommentierten Übersetzungen von Ägyptologen sind hierfür der beste Zugang.

Das Ägyptische Totenbuch bei Amazon*

The Complete Gods and Goddesses of Ancient Egypt

Gilt als ein Standardwerk der Ägyptologie, das einen umfassenden und reich bebilderten Überblick über das ägyptische Pantheon bietet und auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basiert.

Gods and Goddesses of Ancient Egypt bei Amazon*
© 2026 MythenChronik.de Alle Schriften und Siegel sind unantastbar.
Einstellungen gespeichert
Datenschutzeinstellungen

Hinweis:

Wir verwenden Cookies und ähnliche Technologien, um Ihre Erfahrung auf unserer Website zu verbessern. Einige Cookies sind für die grundlegende Funktionalität erforderlich, während andere dazu beitragen, die Nutzung zu analysieren und unsere Dienste zu optimieren. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Technisch notwendige Cookies:

  • user_privacy_settings: Speichert Ihre gewählten Cookie-Präferenzen (Dauer: 30 Tage).
  • PHPSESSID: Hält Ihre aktuelle Sitzung auf der Webseite aufrecht (Dauer: Browsersitzung).

Analyse & Statistik (Google Analytics & Matomo):

  • _ga / _gid: Dienen der Unterscheidung von Nutzern und der Erstellung statistischer Daten über die Website-Nutzung (Dauer: bis zu 2 Jahre).
  • _pk_id / _pk_ses: Dienen der anonymen statistischen Auswertung Ihres Besuchs, damit wir unsere Inhalte verbessern können (Dauer: 13 Monate / 30 Min.).

Marketing & Werbung (Google AdSense):

  • __gads / _gac: Werden gesetzt, um Ihnen relevante Werbung anzuzeigen, die Effizienz von Kampagnen zu messen und zu verhindern, dass Sie dieselbe Anzeige mehrfach sehen (Dauer: bis zu 13 Monate).

 

Technisch erforderliche Cookies werden immer geladen.

Für die Nutzung mit Werbung: Indem Sie Werbung & Cookies akzeptieren können wir "mythenchronik.de" weiterhin kostenlos anbieten. Wir nutzen Google Analytics zur Webanalyse und Google AdSense, um personalisierte Werbeanzeigen zu schalten. Dabei werden Daten an Google übertragen und ggf. mit anderen Daten zusammengeführt.
Die Nutzung dieser Dienste erfolgt nur mit Ihrer ausdrücklichen Einwilligung. Sie können Ihre Auswahl jederzeit ändern oder Ihre Einwilligung mit Wirkung für die Zukunft widerrufen.
Weitere Informationen zur Datenverarbeitung durch Google und zu Ihren Rechten finden Sie in unserer Datenschutzerklärung und im Impressum.

You are using an outdated browser. The website may not be displayed correctly.