Nirgends zeigt sich die eiserne Härte der antiken Ordnung so ungeschminkt wie an diesem flammenden Gewässer. Der Schauplatz verkörpert den unendlichen Zorn und das ewig bindende Gesetz der Unterwelt.
Der Strom aus dem Nichts
Die ältesten Aufzeichnungen benennen den Fluss als eine direkte Schöpfung der urzeitlichen Wasser-Titanen. Entstanden aus den unergründlichen Strömen des Okeanos, schlug das lodernde Wasser tiefe Risse in die Erde, um einen perfekten Ring um den Tartaros zu ziehen. Eine abgewandelte Legende berichtet von den göttlichen Schmiedefeuern des Hephaistos, aus denen sich überschüssige Flammen tief in den Erdkern fraßen und dort ein ewiges, flüssiges Eigenleben entwickelten.
Das Lager der Gewalttäter
Der Phlegethon ist das ewige Gefängnis für jene, die sich schwerster Verbrechen schuldig machten. In den Fluten fristen Mörder, Kriegstreiber und grausame Tyrannen ihr trostloses Dasein. Je mehr Blut diese Seelen auf der Erde vergossen haben, desto tiefer stecken sie nun im zischenden Flussfeuer fest. Bewacht wird diese gequälte Masse von gnadenlosen, pferdegestaltigen Wächtern, den Zentauren, die am Ufer patrouillieren. Wer versucht, den Kopf aus der Glut zu heben, wird sofort von ihren Pfeilen durchbohrt.
Das Gefängnis der alten Herrscher
Nach der brutalen Niederlage der Titanen gegen die neuen Götter diente genau dieser Feuerfluss als unüberwindbarer Sperrriegel für die geschlagenen Riesen. Die zischenden Ketten, die diese uralten Wesen in der Dunkelheit an den Boden fesseln, wurden angeblich direkt im Fluss gehärtet. Der brennende Strom setzte endgültig den Sieg des Zeus und das Reich seines Bruders Hades fest.
Die Flammen der Läuterung
Für die Menschen der Antike war der Name Phlegethon ein Tabu. Er stand für die unerbittliche Bestrafung von familiärer Blutrache und vollkommener Selbstüberschätzung. Die Priester lehrten, dass dieses Feuer nicht grundlos quält. Es dient der absoluten Läuterung. Nach dem Gesetz im Hades und den harten Regeln des Totenreichs wird jeder Mensch am Ende seines Lebens geprüft. Das Wissen um den glühenden Strom zwang die Lebenden dazu, ihre familiären Bande zu ehren.
Phlegethon in Games, Filmen und Büchern
Dieser leuchtende Schmerzensstrom liefert die perfekte Vorlage für gefährliche Welten und höllische Landschaften. Fast jede Hölle hat sich den griechischen Feuerfluss zum Vorbild genommen.
- Hades (Videospiel): Der lodernde Strom zieht sich durch die gesamten Level des Asphodelos. Wer bei den rasanten Kämpfen das Ufer verfehlt und in die rote Magma-Brühe tritt, verbrennt sofort und verliert wichtige Lebenspunkte.
- Dantes Inferno (Literatur): Im Meisterwerk der klassischen Literatur wandert Dante durch die Hölle und findet den Phlegethon. Hier wird er jedoch als ein Fluss aus kochendem Blut dargestellt, in dem Tyrannen und Mörder bis zum Hals stecken, ständig von Zentauren mit Pfeilen beschossen, wenn sie versuchen aufzutauchen.
- Percy Jackson – Das Haus des Hades (Buch): Der Autor Rick Riordan schickt seine Halbgötter direkt durch den Phlegethon. Der Fluss brennt unerträglich, doch Percy und Annabeth müssen das flüssige Feuer trinken. Das brennende Wasser hält sie paradoxerweise am Leben, da der Fluss die Verdammten heilt, damit sie weiter leiden können.
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