Niedliches, goldfarbenes Fabelwesen, das einem Lamm ähnelt, mit großen, dunklen Augen und schwarzen Hufen. Es sitzt in einer großen, sich öffnenden, grünen Pflanzenknospe, umgeben von Ranken vor einer sanften Hügellandschaft.

Barometz: Das legendäre Pflanzenlamm der Tartarei

In den weiten Steppen, wo der Wind durch das hohe Gras pfeift, wächst eine Frucht, die nicht von dieser Welt zu sein scheint. Das Barometz wiegt sich sanft im Wind, doch es ist keine gewöhnliche Pflanze, denn aus der geplatzten Schale blicken ängstliche Augen in die Weite. Es ist ein Wesen zwischen zwei Welten, gefangen an der eigenen Wurzel und doch voller Leben.

Steckbrief: Barometz

Das Wichtigste zum Barometz auf einen Blick:

Kategorie
Fabeltier / Kryptobotanik
Mythologie / Legende
Europäisches Mittelalter / Reiseberichte
Abstammung / Ursprung
Naturphänomen / göttliche Schöpfung
Lebensraum
Steppen, Hochebenen
Verbreitungsgebiet
Asien, Südrussland, Kasachstan, Ukraine, Mongolei, Ostsibirien
Typischer Aufenthaltsort
Im Umkreis seiner verbundenen Pflanze
Äußere Erscheinung
kleines Lamm mit goldenem Fell
Charakter
Passiv, nicht-aggressiv
Besonderheit
magisches Blut
Lebenserwartung
Sterblich (verhungert ohne Gräser)
Seinsform
Physisch (Hybrid aus Tier und Pflanze)
Symbolik
Exotik, das Unbekannte, die Verbindung von Flora und Fauna

Eigenschaften des Barometz

Fakten, Legenden und moderne Mythen

Wie sieht das Barometz aus?

Wer zum ersten Mal auf ein Feld voller Barometze trifft, glaubt an eine optische Täuschung. Zunächst ähnelt das Gewächs einer riesigen, wolligen Kürbisfrucht oder einer prallen Baumwollkapsel auf einem kräftigen Stängel. Wenn diese Hülle jedoch unter der heißen Sonne aufplatzt, entfaltet sich kein Blatt, sondern ein vollständig ausgebildetes Lamm. Sein Fell schimmert in einem prächtigen Goldton, weich wie die Wolken am Sommerhimmel. Doch der entscheidende Unterschied zu einem gewöhnlichen Schaf ist der Stängel: Er wächst direkt aus dem Nabel des Tieres und verbindet es untrennbar mit dem Wurzelwerk im Boden. Es schwebt förmlich knapp über der Erde oder steht auf wackeligen Beinen, immer gehalten von dieser hölzernen Leine.

Lebensweise und Verhalten

Das Leben eines Barometz ist von einer stillen Tragik geprägt. Es besitzt keine Wanderlust, denn es kann seinen Standort nicht verlassen. Das Wesen verbringt seinen Tag damit, das Gras und die Kräuter zu fressen, die im direkten Umkreis seiner Nabelschnur wachsen. Dabei dreht es sich im Kreis, bis die Erde um die Wurzel herum kahlgefressen ist. Es ist ein friedliches Geschöpf, das keine Geräusche macht außer einem leisen, fast melancholischen Blöken. Nachts rollt es sich so nah wie möglich an seinen Stängel, um Schutz unter den verbleibenden Blättern der Mutterpflanze zu suchen. Es kennt keinen Schlaf in Sicherheit, denn es kann sich weder verstecken noch fliehen.

Magische Fähigkeiten und besondere Kräfte

Auch wenn das Barometz im Kampf völlig wehrlos ist, sind seine sterblichen Überreste in der Welt der Alchemie heiß begehrt. Sein Blut ist keine gewöhnliche rote Flüssigkeit, sondern eine dickflüssige, goldene Substanz, die intensiv nach Honig duftet. Heiler nutzen diesen Saft, um Wunden zu schließen, die durch dunkle Magie oder verfluchte Klingen geschlagen wurden. Seine Knochen hingegen dienen Sehern und Orakeln: Werden sie in einem rituellen Feuer verbrannt, formen sie im Rauch Bilder zukünftiger Ereignisse. Selbst die goldene Wolle besitzt eine schwache magische Aura; Kleidung, die daraus gewebt wird, soll den Träger vor Kälte und leichten Krankheiten schützen.

Das Barometz in Games, Filmen und Büchern

Obwohl es eines der seltsamsten Wesen der Mythologie ist, fristet das Pflanzenlamm oft ein Nischendasein in alten Bibliotheken und kuriosen Sammlungen.

  • Dungeons & Dragons: Hier taucht es gelegentlich als seltsame Flora oder als Ressource für Abenteurer auf.

  • Odin Sphere (Videogame): Hier werden Barometz-Samen gepflanzt, aus denen Schafe wachsen, die man ernten kann, um Lebensenergie zu gewinnen.

  • Don't Starve (Videogame): Es gibt Anspielungen auf Pflanzen, die Fleisch produzieren oder Augen haben.

  • Literatur: In »Phantastische Tierwesen« oder ähnlichen modernen Bestiarien wird es oft als Beispiel für magische Botanik genannt.

Schwächen und Schutzmaßnahmen

Ein Barometz anzugreifen erfordert keinen Mut, sondern eher Skrupellosigkeit. Seine größte Schwäche ist die Verbindung zur Erde. Trennt man den Stängel durch – sei es durch einen Schwerthieb oder einen gezielten Schuss mit der Armbrust – stirbt das Wesen augenblicklich, als hätte man sein Herz getroffen. Zudem ist es extrem anfällig für Feuer, da sowohl sein trockenes Fell als auch der hölzerne Stängel sofort in Flammen aufgehen. In der Wildnis sind Wölfe seine größten Feinde, da das Lamm ihnen schutzlos ausgeliefert ist, sobald sie die Witterung aufgenommen haben.

Ursprung & Legenden: Die Geschichte des Barometz

In den staubigen Bibliotheken alter Gelehrter finden sich Berichte, die so unglaublich klingen, dass sie wahr sein müssen – oder zumindest einen wahren Kern haben.

Die verhängnisvolle Entdeckung des Odorich

Es war der Franziskanermönch Odorich von Portenau, der im 14. Jahrhundert von seiner weiten Reise in den Osten zurückkehrte und Unglaubliches berichtete. Er erzählte mit leuchtenden Augen von Tieren, die wie Früchte an Bäumen wuchsen. In seinen Schriften beschrieb er das Barometz detailliert: Ein Lamm, das aus einer Melone bricht, aber an der Pflanze hängen bleibt. Odorich behauptete sogar, das Fleisch dieser Kreaturen probiert zu haben. Zur Überraschung seiner Zuhörer schmeckte es nicht nach Hammel, sondern hatte das Aroma von Krebsfleisch und Fisch. Diese Geschichte verbreitete sich wie ein Lauffeuer in den Gassen Europas und festigte den Glauben an das »Woll-Lamm« im fernen Asien.

Geboren aus einem botanischen Irrtum

Doch woher kam diese fantastische Idee wirklich? Die Menschen des Mittelalters kannten Baumwolle noch nicht so, wie wir sie heute kennen. Als Reisende zum ersten Mal die weißen, flauschigen Kapseln der Baumwollpflanze sahen, fehlten ihnen die Worte. "Wolle, die auf Bäumen wächst?" – das klang für sie nach Schafen. Ein weiterer Ursprung liegt im Farn Cibotium barometz. Dessen Wurzelstock ist pelzig und braun und sieht, wenn man ihn umdreht und die Stiele als Beine interpretiert, tatsächlich aus wie ein kleines, wolliges Tier. Die Fantasie der Menschen füllte die Lücken und erschuf aus einer Pflanze ein atmendes, blutendes Fabelwesen.

Das Bild der absoluten Abhängigkeit

Das Barometz wurde schnell mehr als nur eine Kuriosität. In der Kunst und Literatur wurde es zum Sinnbild für die vollkommene Abhängigkeit der Kreatur von der Erde. Es zeigte den Menschen, dass jedes Lebewesen, egal wie edel oder golden es erscheint, Nahrung und Wurzeln braucht. Gleichzeitig warnte die Geschichte vor der Gier: Wer seine Umgebung rücksichtslos leerräumt – so wie das Lamm sein Gras frisst – wird am Ende selbst zugrunde gehen, wenn nichts mehr übrig ist.

Der Betrug mit dem goldenen Farn

Nicht nur die Baumwolle war schuld an der Legende. Gerissene Händler aus dem Fernen Osten nutzten die Geschichte, um reich zu werden. Sie brachten seltsame, pelzige Gebilde nach Europa, die aussahen wie kleine, getrocknete Hunde oder Lämmer. Sie behaupteten, dies seien echte, verstorbene Barometz-Wesen. In Wahrheit handelte es sich um die Wurzelstöcke eines speziellen Farns (Cibotium barometz). Wenn man diesem Farn die Stiele abschnitt und ihn umdrehte, sahen die Stümpfe aus wie vier Beine und der weiche Flaum der Wurzel wie Fell. Diese Fälschungen landeten in den Schatzkammern von Kaisern und Königen und galten jahrhundertelang als Beweis dafür, dass es das Pflanzenlamm wirklich gibt.

Bekannt ist das Barometz auch unter den Namen:

  • Tatarisches Lamm
  • Pflanzliches Lamm von Scythien
  • Pflanzenlamm

Häufig gestellte Fragen zum Barometz

FAQ - Häufig gestellte Fragen zur Barometz

Was ist ein Barometz?

Das Barometz, auch bekannt als das "Pflanzenlamm von Tartarien", ist ein Fabelwesen aus dem Mittelalter. Es wurde als ein echtes Lamm beschrieben, das wie eine Frucht auf einem pflanzlichen Stiel aus dem Boden wächst und fest mit ihm verbunden ist.

Zuletzt aktualisiert am 21.06.2025 von Lysandra.

Ist das Barometz böse?

Nein, das Barometz gilt nicht als böse. Es ist eine passive Kreatur, die an ihren Standort gebunden ist. Ihre Tragik liegt darin, dass sie stirbt, sobald sie alle Pflanzen in ihrer unmittelbaren Umgebung gefressen hat.

Zuletzt aktualisiert am 23.06.2025 von Lysandra.

Gab es das Barometz wirklich?

Nein, das Barometz hat nie existiert. Der Mythos entstand wahrscheinlich durch missverstandene Berichte über exotische Pflanzen wie die Baumwollpflanze, deren flauschige Kapseln aus der Ferne an Wolle oder kleine Lämmer erinnert haben könnten.

Zuletzt aktualisiert am 21.06.2025 von Lysandra.

Woher hat das Barometz seinen Namen?

Der Name "Barometz" ist die lokale Bezeichnung für "Lamm" in einer tatarischen Sprache. Europäische Reisende übernahmen diesen Namen für die von ihnen beschriebene Kreatur.

Zuletzt aktualisiert am 21.06.2025 von Lysandra.

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Informationen und Quellen zum Barometz

Skythisches Lamm

Eine gut bebilderte Übersicht über das Skythische Lamm. Die Texte sind kurz aber prägnant.

zur Webseite von Theoi

Vegetable Lamb of Tartary bei Wikipedia

Bietet einen ausgezeichneten, umfassend belegten Überblick über die Geschichte der Legende, ihre verschiedenen Varianten und die historischen Personen, die darüber berichteten. Die Bibliografie ist ein guter Startpunkt für weitere Recherchen.

zur Webseite von Wikipedia

Die Reisen des John Mandeville

Um zu verstehen, wie Menschen im Mittelalter von Wundern wie dem Barometz erfuhren, ist dieser Reisebericht unerlässlich. Suchen Sie nach einer modernen deutschen Übersetzung mit Kommentaren, da diese den historischen Hintergrund verständlich machen. Es ist ein faszinierender Einblick in das Weltbild des 14. Jahrhunderts.

Autor: John Mandeville (Übersetzt und kommentiert)

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The Vegetable Lamb of Tartary

Dies ist eine wissenschaftliche Abhandlung von 1887. Viele Verlage bieten heute Nachdrucke (Print-on-Demand) dieses gemeinfreien Werks an. Es ist die ultimative Quelle, um die Ursprünge der Legende bis ins kleinste Detail zu verstehen, auch wenn die Sprache dem 19. Jahrhundert entspricht.

Autor: Henry Lee

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