Die Aswang, eine Dämonin mit schwarzen Fledermausflügeln, hockt bei Vollmond auf dem Strohdach einer Holzhütte. Sie hat wildes Haar, leuchtend rote Augen und streckt eine extrem lange, dünne Zunge aus ihrem Mund.

Aswang: Der blutrünstige Gestaltwandler der Philippinen

Wenn die Sonne untergeht, erwacht auf den Philippinen eine Kreatur mit vielen Namen und noch mehr Gesichtern: der Aswang. Mal als Vampir, mal als Hexe oder als unheimliches Tier jagt er die Lebenden und nährt sich von ihrem Innersten, ein wandelbarer Albtraum, der aus alten Mythen in die Realität sickert.

Steckbrief: Aswang

Das Wichtigste des Aswang auf einen Blick:

Kategorie
Dämon, Gestaltwandler, Vampir
Mythologie / Legende
Philippinisch
Abstammung / Ursprung
Oft durch einen Fluch, Vererbung oder rituelle Übertragung
Lebensraum
Ländliche, menschliche Siedlungen
Verbreitungsgebiet
Philippinen (besonders Visayas, Luzon, Mindanao)
Typischer Aufenthaltsort
Lebt tagsüber unauffällig in Dörfern und Städten; jagt nachts in der Nähe von Häusern, Friedhöfen oder Krankenhäusern
Äußere Erscheinung
Tagsüber ein normaler Mensch; nachts verwandelt in verschiedene Formen (Vogel, Fledermaus, Hund, Katze, Schwein) oder als monströse Gestalt mit langem, röhrenartigem Rüssel. Oft trennt sich der Oberkörper vom Unterleib, um zu fliegen
Charakter
Trügerisch, bösartig, kannibalisch, räuberisch
Besonderheit
Gestaltwandlung, Fähigkeit zu fliegen (oft nur der Oberkörper), übermenschliche Stärke, lange, dünne Zunge zum Aussaugen von Opfern, Unsichtbarkeit
Lebenserwartung
Langlebig, aber nicht unsterblich
Seinsform
Physisch, mutiert
Symbolik
Die verborgene Bösartigkeit im Vertrauten, Verrat, Angst vor dem Nachbarn

Eigenschaften des Aswang

Fakten, Legenden und moderne Mythen

Wie sieht der Aswang aus?

Meistens ist der Aswang tagsüber ein junges Mädchen von unübertrefflicher Schönheit. Doch nach Sonnenuntergang verwandelt er sich in einen Dämon als alte Frau mit blutunterlaufenen Augen. Unter den Achselhöhlen soll er kleine Löcher haben, die mit einer magischen Flüssigkeit oder einem ganz besonderen Öl gefüllt sind. Diese Flüssigkeit verleiht ihm Flugtauglichkeit, die der Aswang bei seinen vielfältigen Verwandlungsmöglichkeiten benötigen kann.

Außer in menschliche Gestalt erscheint er gerne auch als übergroße Fledermaus, die gerne auf den Dächern der Städte und Dörfer Ausschau nach Opfern hält. Er hat eine sehr lange röhrenförmige Zunge, mit der er erstaunliche Entfernungen überwinden kann.

Lebensweise und Verhalten

Der Aswang verspeist gerne kleine Kinder, Schwangere und Kranke. Manchmal reicht ihm auch das Blut der Opfer. Indem der Aswang seine lange röhrenförmige Zunge durch Ritzen im Gebälk schiebt, kann er zielgenau seine Opfer ausmachen und mit einem treffsicheren Stich in den Körper, alles Blut heraussaugen. Danach sieht der Aswang zunächst wie eine Hochschwangere aus, da sich sein Bauch von den Unmengen Blut extrem aufbläht.

Magische Fähigkeiten und besondere Kräfte

Ein Aswang hat zu seinem großen Appetit auf Blut und ganz besonders der Leber seiner Opfer auch generell viel Spaß am Töten. Er kann den Schatten eines Lebewesens auflecken und damit seinen vorzeitigen Tod herbeiführen.

Der Aswang in Games, Filmen und Büchern

Die furchteinflößende Legende des Aswang ist weit über die Grenzen der Philippinen hinaus bekannt. In der TV-Serie »Grimm« wird der Aswang als eine krankheitsübertragende Kreatur dargestellt, die schwangere Frauen heimsucht. Auch das Marvel-Universum greift den Mythos in den Comics von »Blade« auf, wo die Aswang eine eigene Vampir-Spezies bilden. In Videospielen wie »Vampire: The Masquerade« finden sich ebenfalls Anspielungen auf diese faszinierende und schreckliche Gestalt, was ihre ungebrochene Anziehungskraft als Symbol des verborgenen Bösen beweist.

Ursprung & Legenden: Die Geschichte des Aswang

Der Aswang zählt zu den furchterregendsten Kreaturen der philippinischen Mythologie und teilt seine finsteren Eigenschaften mit bekannteren Wesen wie Vampiren oder Ghulen. Bevorzugt im tropischen Klima Asiens beheimatet, ist die Legende des Aswang vor allem auf den Philippinen tief verwurzelt.

Das Doppelleben des Aswang: Nachbar bei Tag, Monster bei Nacht

Das wahre Grauen dieser Kreatur liegt in ihrer perfekten Tarnung: Tagsüber ist der Aswang ein völlig unauffälliger Mensch. Ob Mann oder Frau, er oder sie lebt mitten unter den anderen, vielleicht als stiller Nachbar, als besonders hilfsbereite Person oder sogar als attraktive Erscheinung, die ihre wahre Natur hinter einem freundlichen Lächeln verbirgt. Ihr Haus ist oft auffallend reinlich und gepflegt – eine Fassade, um jede Form von Misstrauen im Keim zu ersticken.

Doch wenn die Dunkelheit hereinbricht, fällt die menschliche Maske und die Bestie erwacht. Angetrieben von einem unersättlichen Hunger, streift der Aswang durch die Nacht, immer auf der Suche nach seinem nächsten Opfer.

Die heimtückische Jagd: Wie der Aswang seine Opfer wählt

Bei seiner Jagd ist der Aswang nicht nur blutrünstig, sondern auch heimtückisch und opportunistisch. Er meidet den direkten Kampf mit starken Gegnern und sucht sich stattdessen gezielt schwache und wehrlose Opfer aus, die ihm seine schreckliche Mahlzeit nicht unnötig erschweren. Zu seiner bevorzugten Beute zählen Kranke, allein reisende Wanderer und insbesondere schwangere Frauen, da der Fötus als besondere Delikatesse gilt. Mit seiner langen, dünnen und röhrenartigen Zunge saugt er das Blut seiner Opfer oder verzehrt ihre inneren Organe, allen voran die Leber und das Herz.

Der tödliche Tausch: Die Legende vom hölzernen Doppelgänger

Eine besonders grausame Taktik des Aswang dient dazu, seine Taten so lange wie möglich zu verschleiern. Hat der Dämon ein Opfer überwältigt, tötet er es nicht sofort. Stattdessen erschafft er aus Pflanzenmaterial wie Bananenstämmen oder Baumstümpfen ein magisches, lebensechtes Abbild seines Opfers. Diesen Doppelgänger, ähnlich einem Wechselbalg, schickt der Aswang zurück ins Haus der Familie. Dort legt sich die Kopie ins Bett, erkrankt schwer und stirbt nach kurzer Zeit eines scheinbar natürlichen Todes.

Während die Angehörigen einen Kranken pflegen, hat der Aswang das echte Opfer längst in sein Versteck geschleppt – oft eine abgelegene Höhle –, um es dort ungestört und genüsslich Stück für Stück zu verspeisen. Durch diesen grausamen Tausch gewinnt das Monster wertvolle Zeit und entgeht einer schnellen Entdeckung.

Schutz vor dem nächtlichen Jäger: Wie wehrt man einen Aswang ab?

Obwohl der Aswang mächtig ist, gibt es traditionelle Methoden, um sich vor ihm zu schützen. Knoblauch ist, ähnlich wie bei europäischen Vampiren, das bekannteste Abwehrmittel. Sein starker Geruch soll den Aswang verjagen und seine Sinne verwirren. Reibt man ein potenzielles Opfer, das noch am Leben ist, mit Knoblauchsaft ein, gilt die Mahlzeit für den Dämon als »verseucht«, und er lässt von ihm ab.

Weitere Schutzmaßnahmen umfassen:

  • Salz: Das Ausstreuen von Salz soll den Aswang ebenfalls abhalten.
  • Weihwasser: Segnungen und geweihtes Wasser wirken gegen diese unheilige Kreatur.
  • Stachelrochen-Schwanz: Ein zu einer Peitsche verarbeiteter Schwanz eines Stachelrochens (Buntot Pagi) gilt als eine der wirksamsten Waffen, um einen Aswang im Kampf zu verletzen oder zu töten.

Ein Monster, viele Gestalten: Die regionalen Namen des Aswang

»Aswang« ist ein Oberbegriff für eine ganze Familie des Schreckens. Je nach Region, Legende und den spezifischen Fähigkeiten des Monsters, ist der Aswang unter vielen verschiedenen Namen bekannt.

Hier sind die geläufigsten Bezeichnungen und was sie bedeuten:

  • Manananggal: Dies ist die wohl berühmteste (und schrecklichste) Variante. Der Name bedeutet »die, die sich abtrennt«. Es handelt sich fast immer um eine weibliche Kreatur, die nachts ihren Oberkörper vom Unterleib löst, um mit fledermausartigen Flügeln auf die Jagd nach schwangeren Frauen und deren ungeborenen Kindern zu gehen.
  • Tiktik / Tik-Tik: Benannt nach dem »tik-tik«-Geräusch, das diese Kreatur von sich gibt. Es ist oft ein vogelähnlicher Dämon, der ebenfalls Jagd auf Schlafende oder Schwangere macht. Die Legende besagt, dass der Klang trügerisch ist: Ist er laut zu hören, ist der Tiktik weit weg. Wird das Geräusch leiser, ist er direkt in deiner Nähe.
  • Wak-Wak / Ekek: Ähnlich wie der Tiktik sind dies lautmalerische Namen, die das Geräusch beschreiben, das diese oft als vogelähnlich beschriebenen Monster beim Fliegen machen. In vielen Geschichten sind die Begriffe Tiktik, Wak-Wak und Ekek austauschbar.
  • Bal-Bal: Diese Form des Aswang ist ein Leichenfresser. Er schleicht sich nachts auf Friedhöfe oder zu Trauerfeiern, stiehlt den Leichnam und hinterlässt an seiner Stelle einen Stamm einer Bananenpflanze, der die Form des Verstorbenen annimmt.
  • Sigbin: Ein blutsaugendes Wesen, das oft wie eine Mischung aus Ziege, Känguru und Hund ohne Hörner beschrieben wird. Es soll rückwärtslaufen und sich im Schatten seiner Opfer verstecken, bevor es zuschlägt. Manchmal wird der Sigbin als Haustier eines Aswang-Meisters beschrieben.
  • Asbo: Dies ist eine weitere Bezeichnung, die in einigen Regionen verwendet wird und oft einen Aswang beschreibt, der die Form eines großen, schwarzen Hundes annimmt.

Die genaue Bezeichnung hängt also stark davon ab, auf welcher Insel der Philippinen die Geschichte erzählt wird und welche schreckliche Eigenschaft des Monsters – ob Gestaltwandlung, Flugfähigkeit oder die Geräusche, die es macht – im Vordergrund steht.

Häufig gestellte Fragen zum Aswang

FAQ - Häufig gestellte Fragen zum Aswang

Was ist ein Aswang?

Ein Aswang ist ein übernatürliches Wesen aus der philippinischen Mythologie. Es handelt sich um einen Sammelbegriff für verschiedene Arten von Dämonen, Vampiren und Gestaltwandlern, die sich von menschlichem Blut oder Eingeweiden ernähren.

Zuletzt aktualisiert am 30.07.2025 von Lysandra.

Wie erkennt man einen Aswang?

Tagsüber tarnt sich ein Aswang als normaler Mensch. Ein verräterisches Zeichen soll jedoch das Fehlen des Philtrums (die Rinne zwischen Nase und Oberlippe) sein. Nachts erkennt man ihn an seiner monströsen verwandelten Gestalt, zum Beispiel als riesiger Vogel oder als fliegender Torso.

Zuletzt aktualisiert am 30.07.2025 von Lysandra.

Was isst ein Aswang am liebsten?

Aswangs haben eine Vorliebe für das Blut und die Organe von Menschen, insbesondere für die Leber und das Herz. Eine besondere Gefahr stellen sie für schwangere Frauen dar, da sie es auf den Fötus im Mutterleib abgesehen haben.

Zuletzt aktualisiert am 30.07.2025 von Lysandra.

Kann man einen Aswang töten?

Ja, Aswangs gelten als verwundbar. Traditionelle Waffen gegen sie sind Knoblauch, Weihwasser, ein Stachel aus Bambus und der Schwanz einer Stachelrochen-Art, der als Peitsche verwendet wird. Salz soll ebenfalls wirksam sein, um sie abzuwehren.

Zuletzt aktualisiert am 30.07.2025 von Lysandra.

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Informationen und Quellen zum Aswang

The Aswang Project

Dies ist die umfassendste Online-Ressource, die sich wissenschaftlich und detailliert mit der philippinischen Folklore und speziell dem Aswang befasst. Die Seite zitiert Folkloristen wie Dr. Maximo Ramos und bietet eine taxonomische Klassifizierung der verschiedenen Aswang-Typen.

zum Aswang Project

Aswang - Wikipedia

Der englischsprachige Wikipedia-Artikel ist gut recherchiert und verlinkt auf zahlreiche Primär- und Sekundärquellen, einschließlich historischer spanischer Berichte und moderner wissenschaftlicher Arbeiten. Er bietet einen hervorragenden, belegten Überblick.

Englischer Wikipedia-Artikel über den Aswang

The Aswang Complex in Philippine Folklore

Gilt als das Standardwerk auf dem Gebiet. Dr. Ramos, ein anerkannter Folklorist, hat die Mythen um den Aswang auf den gesamten Philippinen untersucht und klassifiziert. Dieses Werk ist fundamental für jedes ernsthafte Verständnis des Themas.

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Legend Of The Aswang

Dieser Artikel fasst die Legende für ein breiteres Publikum zusammen, verweist aber auf die Komplexität der Figur und erwähnt historische Kontexte, wie die mögliche Nutzung des Mythos durch die spanischen Kolonialherren zur sozialen Kontrolle.

Legende des Aswang auf "All That's Interesting"
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