Dieses Buch stellt einen Auszug des ursprünglichen Physiologus dar. Tiere und Dinge werden aus mittelalterlicher Sicht beschrieben. Sehr stark ist dabei die religiöse Auffassung zur damaligen Zeit mit eingeflossen. Im Nachwort beschreibt der Autor – Otto Seel – die Entstehung des Physiologus und die originalen Quellen. Dieses Buch ist eher für »kleine Forscher« geeignet, die gerne mehr über die fantasievollen Entstehungsgeschichten von Fabelwesen wissen wollen. Auch erschließt sich einem dadurch ein bisschen die christliche Tiersymbolik.
Die vergessenen Quellen der Fabelwesen: Woher wir wissen, dass es Drachen gibt
Wenn heute ein Drache in einem Film Feuer speit, weiß jeder sofort, was das für ein Tier ist. Aber dieses Wissen musste erst einmal gesammelt werden. Lange bevor es das Internet oder Fernsehen gab, glaubten die Menschen wirklich, dass am Rande der Welt Monster lebten. Dieses Wissen stammt aus alten Büchern, Reiseberichten und Legenden, die über Jahrhunderte weitergegeben wurden. Es ist spannend zu sehen, wie aus echten Tieren, Steinen und Pflanzen durch Erzählungen plötzlich Fabelwesen wurden.
Historischer Faktencheck
- Der Physiologus (ca. 2. Jh. n. Chr.): Ein frühchristliches Buch aus Alexandria (Ägypten). Es ist die wichtigste Quelle für die Symbolik von Tieren im Mittelalter.
- Plinius der Ältere (23–79 n. Chr.): Römischer Gelehrter. Sein Werk »Naturalis historia« versuchte, das gesamte Wissen der Natur zu sammeln – inklusive Monster.
- Bestiarien (ab 12. Jh.): Beliebte Tierbücher im Mittelalter, die oft moralische Lehren mit Tierbeschreibungen verknüpften.
- Carta Marina (1539): Eine berühmte Landkarte von Olaus Magnus, voll mit detaillierten Seeungeheuern.
Der Physiologus: Die Mutter aller Monster-Bücher
Eines der wichtigsten Bücher für unser heutiges Bild von Fabelwesen ist der »Physiologus«. Der Name ist griechisch und bedeutet so viel wie "Der Naturforscher«. Es entstand vor fast 2000 Jahren, vermutlich in Alexandria.
In seiner Urfassung bestand dieses Werk aus genau 48 Kapiteln. Darin wurden nicht nur gewöhnliche Tiere beschrieben, sondern auch fantastische Wesen, magische Pflanzen und sogar besondere Steine. Das Besondere am Physiologus war jedoch nicht die wissenschaftliche Genauigkeit. Den Autoren ging es darum, Geschichten über die Natur zu erzählen, um religiöse Botschaften zu vermitteln.
Mit der Zeit wanderte dieses Wissen um die Welt. Es gab frühe Übersetzungen ins Arabische und um das Jahr 400 n. Chr. entstand die erste lateinische Fassung. Dadurch wurde das Buch auch im christlichen Abendland berühmt und bildete die Grundlage für die sogenannten »Bestiarien«. Ohne diese alten Schriften wären Figuren wie das Einhorn vielleicht längst vergessen.
Von Göttern und alten Sagen
Doch nicht alles stand in Büchern. Bevor Mönche in Klöstern schrieben, erzählten sich die Menschen Geschichten am Lagerfeuer. Besonders Völker mit einer vielfältigen Götterwelt – wie die Griechen, Nordmänner oder Ägypter – hatten eine reichhaltige Mythologie.
In diesen Religionen wimmelte es von Dämonen, Mischwesen und Götterboten. Diese mündlichen Überlieferungen vermischten sich später mit den schriftlichen Berichten. Was einst ein religiöses Symbol war, wurde im Märchen zum Monster, das den Helden bedroht.
Plinius und die Enzyklopädie des Staunens
Noch etwas früher als der Physiologus lebte ein Mann namens Plinius der Ältere im Römischen Reich. Er hatte ein ehrgeiziges Ziel: Er wollte alles aufschreiben, was es auf der Welt gab. Sein Werk nannte er »Naturalis historia«, also Naturgeschichte. Das war so etwas wie das Wikipedia der Antike.
Plinius nahm es mit der Wahrheit aber nicht immer ganz genau. Er schrieb Dinge auf, die er von Reisenden gehört hatte, ohne sie zu prüfen. So landeten Berichte über Menschen mit Hundeköpfen oder Füßen so groß wie Sonnenschirme in seinem Buch. Da Plinius sehr angesehen war, glaubten die Menschen über 1500 Jahre lang, dass diese Wesen wirklich existieren. Wenn es in einem Buch stand, musste es wahr sein.
Warnung auf der Landkarte: Hier sind Drachen
Ein weiterer Fundort für Fabelwesen sind alte Seekarten. Seefahrer waren oft monatelang auf dem offenen Ozean unterwegs. Wenn sie im Nebel riesige Schatten im Wasser sahen oder seltsame Geräusche hörten, spielte ihre Fantasie verrückt. Aus einem auftauchenden Wal wurde schnell ein riesiges Monster, das Schiffe verschlingt. Aus einem Riesenkalmar wurde der legendäre Kraken.
Kartenzeichner wie Olaus Magnus trugen diese Berichte ernsthaft in ihre Werke ein. Auf seiner berühmten »Carta marina« von 1539 sieht man im Meer riesige Schlangen und Fische, die Schiffe angreifen. Oft findet man auf solchen Karten in unerforschten Gebieten den lateinischen Satz »Hic sunt dracones« (Hier sind Drachen). Diese Zeichnungen sollten andere Seefahrer warnen. Diese Angst vor dem Unbekannten hat viele der Seeungeheuer erschaffen, die wir heute aus Piraten-Geschichten kennen.
Die Fabelwesen, die wir heute kennen, sind eine Mischung aus echten Beobachtungen, Missverständnissen und religiösen Geschichten. Bücher wie der Physiologus oder die Werke von Plinius haben diese Vorstellungen für immer festgehalten. Sie zeigen, dass die Menschen schon immer versucht haben, die Wunder und Schrecken der Natur zu erklären – und wenn sie keine Erklärung hatten, haben sie sich einfach eine fantastische Geschichte ausgedacht.
Empfehlungen zu Büchern als Quellen über Fabelwesen
Die folgenden vorgestellten Bücher eignen sich für eine tiefergehende Recherche zu den Quellen über Fabelwesen. Märchen und Geschichten lesen sich dabei natürlich leichter als trockene Sachbücher. Aber dafür wird in den Sachbüchern einiges über die Vorstellungen über Fabelwesen erklärt, die in Märchen eher nicht zu finden sind.
Seeungeheuer und Monsterfische: Sagenhafte Kreaturen auf alten Karten
Ein Buch für Liebhaber von alten Seekarten mit Meeresungeheuern. Hier sind all die Riesenkraken, Seeschlangen und Monsterschildkröten – wie die Aspidochelone, genau in den Seekarten eingezeichnet. In diesem reich bebilderten Werk sind Karten vom 10. bis zum 16. Jahrhundert erfasst und mit ihnen natürlich auch die mystischen Wesen der Weltmeere. Dieses Buch lässt Sammlerherzen höher schlagen und ist eine tolle Quelle der Inspiration.
Grimms Märchen: Vollständige Ausgabe
Märchen dürfen eigentlich ein keiner Fantasy-Sammlung fehlen. Sie sind eine gute Quelle zum Entspannen – aber auch, um neue Geschichten zu entwickeln.
Ich habe die Märchen von den Brüdern Grimm als kleines Kind geliebt – und das hat sich bis heute nicht wirklich geändert.
Die schönsten europäische Sagen
Dieses Buch – die schönsten europäischen Sagen – ist neu erzählt von Dimiter Inkiow. Es ist kindgerecht formuliert und mit schönen Illustrationen versehen. In diesem Buch kann man einen leichten Rundgang durch Europa machen und wird dabei nicht mit schwerfälligen Erzählungen überfordert. Mir gefällt das Buch und zum Vorlesen ist es hervorragend geeignet.