Goldener Sand frisst sich durch das pechschwarze Wasser der Urzeit. Aus dem endlosen Schlamm erhebt sich der leuchtende Sonnengott Ra, dessen Tränen die ersten Menschen formen, während Wächter mit Schakalköpfen im Schatten der steinernen Gräber auf die wandernden Seelen warten.
Die wilden Wurzeln der Mythologie
Germanische Mythologie
Reißendes Feuer und tödliches Eis prallen im leeren Abgrund aufeinander. Aus dem schmelzenden Reif kriecht der Frostriese Ymir, dessen zerschmetterter Leib bald das Fundament einer neuen, rauen Welt bildet, die allein die Äste des mächtigen Weltenbaums Yggdrasil tragen.
Griechische Mythologie
Ein gähnender Schlund bringt die sternenbedeckte Nacht und die titanischen Kinder der Erde hervor. Auf schneebedeckten Gipfeln schmiedet Zeus seine knisternden Blitze, nachdem die jungen Herrscher des Himmels ihre eigenen Väter in die tiefsten, finstersten Kerker der Unterwelt stürzten.
Japanische Mythologie
Ein juwelenbesetzter Speer durchtrennt die Nebel und rührt das dichte, endlose Meer. Glänzende Tropfen fallen von der Klinge, erstarren zu steinernen Inseln und wecken die Kami – wandelnde Naturgeister, die im Rauschen der dunklen Wälder und im feurigen Zorn der Vulkane atmen.
Keltische Mythologie
Dichter, grauer Nebel hüllt die grünen Hügel ein, unter denen die alten Meister der Magie, die Tuatha Dé Danann, verborgen ruhen. Blutige Kessel schenken zerfetzten Kriegern neues Leben, während das wispernde Wissen der Druiden schwer in den Kronen jahrhundertealter Eichen hängt.
Das Fundament der Mythologie: Wie die ersten Welten und Wesen entstanden
Die Götter und Ungeheuer sprangen aus der reinen Ehrfurcht der Ahnen vor dem Unbekannten. Wenn der kalte Sturm das Stroh der Dächer zerriss, erkannten die Menschen darin den Zorn fliegender Himmelswölfe. Das älteste Lied, das an knisternden Lagerfeuern erklang, besingt die Schöpfung der Welt. Es erzählt vom wahren Ursprung der Mythologie, als tobender Donner, verschlingendes Feuer und das Tosen der schwarzen Meere noch lebendige Namen trugen. So bekamen die wilden Naturgewalten eigene Gesichter, und die Entstehung der Fabelwesen nahm ihren unausweichlichen Lauf.
Diese alten Götter erwachten aus dem Drang der ersten Menschen, das kalte Dunkel zu überleben und zu begreifen. Die Stämme woben die großen Mythologien der Welt zusammen, um den harten Wechsel der Jahreszeiten oder das unausweichliche Rätsel des Sterbens zu erklären. In diesen blutigen und wundersamen Ursprungsgeschichten wurzelt alle uralte Magie. Hier offenbart sich, wie einfacher Feldstein zu einem heiligen Altar heranwuchs und wie mächtige Göttersippen ihre Herrschaft über Himmel und Erde mit Schwert, Sturm und List festigten.