Ein Gargoyle ist zunächst eine fantastische Figur aus Stein. Schlangen, Drachen, allerlei Formen von Dämonen oder ein Gemisch aus allem sind die Vorbilder zur Kreation eines Gargoyle. Die schrecklichsten Fratzen zieren sein Gesicht und keinen Gargoyle kann man wirklich als hübsch bezeichnen. Die meisten Gargoyles werden mit dem Körper eines Drachen und dem Gesicht eines Dämons gezeigt.
Steckbrief: Gargoyle
Das Wichtigste zum Gargoyle auf einen Blick:
- Kategorie
- Wächter, Fabelwesen
- Mythologie / Legende
- Französisch, Christliches Mittelalter
- Abstammung / Ursprung
- Magische Erschaffung, Bändigung einer Bestie (Legende von La Gargouille)
- Lebensraum
- Urbane Gebiete, hohe Gebäude
- Verbreitungsgebiet
- Vorwiegend Europa (besonders Frankreich, England, Deutschland)
- Typischer Aufenthaltsort
- Dächer und Fassaden von Kirchen, Kathedralen und Burgen; tagsüber als steinerne Statue, nachts auf Patrouille in der Umgebung
- Äußere Erscheinung
- Groteske, chimärenhafte Gestalt; oft eine Mischung aus Löwe, Vogel, Fledermaus, Hund und menschlichen Zügen; steinerne Haut, kräftige Klauen und Reißzähne, lederartige Flügel
- Charakter
- Beschützerisch, loyal, territorial, oft mürrisch und unnahbar; grundsätzlich neutral bis gut, solange ihr Schutzobjekt nicht bedroht wird
- Besonderheit
- Verwandlung von Fleisch zu Stein bei Sonnenaufgang (und umgekehrt bei Sonnenuntergang), übermenschliche Stärke, Flugfähigkeit, erhöhte Widerstandsfähigkeit durch steinerne Haut
- Lebenserwartung
- Extrem langlebig bis potenziell unsterblich (solange sie nicht zerstört werden)
- Seinsform
- Magisch (ein durch Magie belebtes Wesen)
- Symbolik
- Schutz vor dem Bösen, Abwehr von Dämonen, die Verkörperung gezähmter Bestien im Dienste des Guten
Eigenschaften des Gargoyle
Fakten, Legenden und moderne Mythen
Wie sieht der Gargoyle aus?
Lebensweise und Verhalten
Gargoyles sind neutral. Sie wurden geschaffen, um die bösen Geister abzuwehren. Doch wenn sie eine Seele haben, dann haben sie hauptsächlich eine gute Gesinnung den Menschen gegenüber. Allerdings kann sich das natürlich im Laufe der Jahrhunderte von Fall zu Fall geändert haben – je nachdem, wie übel oder gut man sich ihnen gegenüber verhalten hat. Die Hauptaufgabe der Gargoyles ist das Bewachen von Gebäuden und Beschützen der Menschen vor dem Bösen.
Magische Fähigkeiten und besondere Kräfte
Entgegen der naturwissenschaftlichen Meinung sind Gargoyles natürlich nicht nur in Stein gehauene Abbildungen von Irgendetwas. Sie leben! Allerdings erwachen sie nur bei Sonnenuntergang zum Leben und erstarren beim ersten Tageslicht wieder zu Stein. Gargoyles können sich vermehren. Sie suchen sich einen Partner oder eine Partnerin fürs Leben. Ihren Nachwuchs, der zunächst in Eiern heranbrüten muss, legen sie in versteckten Höhlen ab. Jede Nacht fliegt das Gargoyle-Pärchen zu seinem Hort und sieht nach dem Rechten.
Der Gargoyle in Games, Filmen und Büchern
Die wohl bekannteste moderne Interpretation ist die Disney-Zeichentrickserie »Gargoyles – Auf den Schwingen der Gerechtigkeit« aus den 90er-Jahren. Hier wird ein ganzer Clan schottischer Gargoyles durch einen Fluch für 1000 Jahre versteinert und erwacht im modernen New York. Angeführt von Goliath, werden sie zu nächtlichen Superhelden, die die Stadt vor Verbrechen schützen. Die Serie prägte das Bild des edlen, missverstandenen Gargoyles wie keine andere.
Auch in der Welt der Videospiele sind Gargoyles allgegenwärtig. Sie lauern als harte Gegner in den Dungeons von »Diablo«, bewachen die Dächer von Anor Londo in »Dark Souls« oder dienen als mächtige Einheiten in Strategiespielen wie »Heroes of Might and Magic«. Im Film »I, Frankenstein« kämpfen sie sogar in einem himmlischen Krieg gegen Dämonen, um die Menschheit zu schützen.
Ursprung & Legenden: Die Geschichte des Gargoyle
Die Geschichte und der Ursprung der Gargoyles ist wohl noch lange nicht geklärt, doch es gibt einige Legenden, die vielleicht ein bisschen Licht ins Dunkle dieser Fabelwesen bringen.
War der Gargoyle ursprünglich ein Wasserdrache?
Es heißt, dass die Gargoyles eine der ältesten Rassen der Welt sind. Ihre Abbildungen deuten unverkennbar auf eine enge Verwandtschaft mit den Drachen und Schlangen hin.
So soll sich im Jahre 520 ein Schlangendrache aus der Seine (Fluss in Frankreich) erhoben haben. Doch anders als die meisten Drachen hat er kein Feuer gespuckt, sondern Wasser. Wie ein Wasserfall ergoss sich die Fontäne aus seinem Maul und alles Land in weitem Umkreis wurde überschwemmt. Das alleine war natürlich schon eine Katastrophe, doch der Drache fraß auch noch die Menschen auf, die panisch vor dem Wasser flüchteten oder schon ertrunken waren.
Ein beherzter Geistlicher suchte mit einem Gehilfen die Höhle des Gargoyle auf und bekehrte den »Wasserdrachen« zur Erkenntnis und zur Achtung von Menschenleben.
Dem Gargoyle – der eigentlich von Natur überhaupt nicht böse war, sondern freundlich und hilfsbereit, war überhaupt nicht klar gewesen, dass er mit seinen Wasserfontänen soviel Schaden angerichtet hatte. Auch dass das Fressen von Menschen nicht so gerne gesehen wird, wusste er nicht. Schließlich muss ja auch ein Gargoyle von etwas leben. Er erklärte dem Geistlichen, dass seine eigentliche Aufgabe die Reinigung der Erde sei und bekanntlich braucht man dazu ja nun mal Wasser.
Der Gargoyle wird zum steinernen Wächter
Der Geistliche und der Gargoyle versuchten eine Lösung für dieses Problem zu finden und gemeinsam erarbeiteten sie den Plan, dass der Gargoyle mit in die Stadt kommen und dort vor dem wichtigsten Gebäude eine Position als Wächter einnehmen sollte. Der Gargoyle war auch einverstanden damit, dass er in Stein verwandelt werden sollte. Denn auch mit der besten Gesinnung – den Hunger würde er ja dennoch haben.
So wurde es dann auch vollzogen – doch weder der Geistliche noch der Gargoyle konnten ahnen, wie stark die Macht des Regenwassers ist. Versteinert saß der Gargoyle nun vor dem Gebäude und immer wenn es regnete, fing er das Wasser mit seinen Ohren auf, und spie es durch sein Maul wieder aus. Die Stadt wurde dadurch immer schön sauber gehalten und es konnte nichts Böses eindringen. Doch für den Gargoyle bedeutete das Regenwasser eine Wiederbelebung.
Er wachte jeden Tag nach Sonnenuntergang auf und konnte sich bewegen. In den frühen Morgenstunden, beim Anbrechen des ersten Tageslichts, kam er wieder auf seinen Platz zurück und erstarrte wieder zu Stein.
Warum der Gargoyle aufs Dach zog
Natürlich bekam dies auch irgendwann der Geistliche mit und wollte mit dem Gargoyle gemeinsam auch wieder eine Lösung dafür finden. Der Gargoyle hatte sich als wirklich guter Beschützer und Bewacher der Stadt erwiesen. Keine Dämonen und sonstige bösartigen Wesen hatten sich seither wieder in die Stadt gewagt. Der Geistliche schlug dem Gargoyle vor, ganz hoch auf die Dächer zu ziehen. Dort würde er gar nicht auffallen und nachts würde es niemand sehen, wenn er gar nicht da wäre.
So kam es, dass die Gargoyles als Wasserspeier auf den Dächern landeten.
Häufig gestellte Fragen zum Gargoyle
Sind Gargoyles böse?
Nein, in den meisten Legenden und modernen Geschichten sind Gargoyles nicht von Natur aus böse. Sie sind als Wächter konzipiert, die heilige oder wichtige Orte vor Dämonen und bösen Geistern schützen. Ihr groteskes Aussehen dient der Abschreckung.
Was ist der Unterschied zwischen einem Gargoyle und einer Groteske?
Ein echter Gargoyle ist technisch gesehen immer ein Wasserspeier, dessen Hauptfunktion es ist, Regenwasser vom Mauerwerk abzuleiten. Eine »Groteske« ist eine rein dekorative Steinskulptur, die einem Gargoyle ähneln kann, aber keine Funktion zur Wasserableitung besitzt. In der Fantasy werden beide Begriffe oft synonym verwendet.
Können Gargoyles fliegen?
Ja, die Fähigkeit zu fliegen gehört zu den bekanntesten Merkmalen von Gargoyles, sobald sie nachts zum Leben erwachen. Ihre oft fledermausartigen Flügel ermöglichen es ihnen, ihre Patrouillenflüge über den Dächern durchzuführen.
Wovor haben Gargoyles Angst?
Die größte Schwäche eines Gargoyles ist das Sonnenlicht. Bei Sonnenaufgang werden sie unweigerlich zu Stein und sind in diesem Zustand absolut wehrlos. Sie können nur durch physische Zerstörung in ihrer Steingestalt getötet werden.
Die wahren Wurzeln des Gargoyle
Mythologische Quellen & Fußnoten
Gargoyle (Fabelwesen) – Wikipedia
Bietet eine gute erste Orientierung und unterscheidet klar zwischen den architektonischen Wasserspeiern und den Kreaturen der modernen Fantastik. Die Seite beleuchtet die Wortherkunft und die berühmte Legende um den Drachen »La Gargouille«.
Wasserspeier – Wikipedia
Diese Quelle konzentriert sich auf die architektonische und historische Funktion der Figuren als Wasserableiter an gotischen Kathedralen und ist für das Verständnis ihrer ursprünglichen Bedeutung unerlässlich.
Gargoyles - UT liberal arts
Eine universitäre Seite, die die Symbolik der Gargoyles und Grotesken im Kontext der mittelalterlichen Kirchenarchitektur und des Volksglaubens analysiert. Sie ist eine verlässliche Quelle für die kunsthistorische Einordnung.
Gargoyle - Arbeitskreis für Vergleichende Mythologie e. V.
Diese Webseite eines Fachvereins für Mythologie bietet eine fundierte Auseinandersetzung mit der Figur des Gargoyles und trennt zwischen historischem Ursprung und moderner Rezeption in der Popkultur.
Legends and Lore – The Gargoyle
Ein gut recherchierter Blog-Artikel, der die Legende von St. Romanus und dem Drachen »La Gargouille« detailliert nacherzählt und die doppelte Funktion der Figuren – praktisch als Wasserspeier und symbolisch als Wächter – erklärt.
Holy Terrors: Gargoyles on Medieval Buildings
Gilt als ein Standardwerk zur Ikonografie und Geschichte der mittelalterlichen Wasserspeier. Die Autorin ist eine anerkannte Kunsthistorikerin auf diesem Gebiet.
Autor/Herausgeber: Janetta Rebold Benton
Aktualisiert am: 22.05.2026
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