Merkaba
Der Begriff »Merkaba« (auch Merkabah oder Merkaw) kommt aus dem Hebräischen und bedeutet wörtlich »Wagen« oder »Reitfahrzeug«. Es ist jedoch kein normales Fahrzeug gemeint, sondern eines der komplexesten und geheimnisvollsten Bilder aus der Mythologie: der Thronwagen Gottes.
Der Begriff hat zwei sehr unterschiedliche Bedeutungen, die Tausende von Jahren auseinanderliegen, aber beide mit einer spirituellen »Reise« zu tun haben.
1. Die Merkaba als himmlische Vision (Antike)
Die ursprüngliche Beschreibung der Merkaba stammt aus der Bibel, genauer gesagt aus einer berühmten und sehr seltsamen Vision des Propheten Ezechiel (Hesekiel).
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Die Vision: Ezechiel beschrieb, wie er den Himmel offen sah und Gottes Thron erblickte. Dieser Thron war kein einfacher Stuhl, sondern ein unglaublich kompliziertes, lebendiges »Fahrzeug«. Es wurde von vier heiligen Wesen (genannt Cherubim) getragen, die jeweils vier verschiedene Gesichter hatten (Mensch, Löwe, Stier, Adler).
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Räder in Rädern: Das Seltsamste an der Vision waren die Räder des Wagens: Es waren »Räder mitten in Rädern«, die sich in alle Richtungen gleichzeitig bewegen konnten und voller Augen waren.
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Die verbotene Mystik: Diese Vision war so mächtig und verwirrend, dass sie zur Grundlage der ersten jüdischen Mystik wurde (der »Merkaba-Mystik«). Mystiker versuchten, durch intensive Meditation und Gebete geistig durch die Himmelspaläste (genannt »Hekhalot«) zu reisen, um selbst diesen Thronwagen zu sehen. Dies galt als extrem fortgeschritten und gefährlich – eine Reise, von der nicht jeder zurückkehrte.
2. Die Merkaba als Lichtfahrzeug (Moderne Esoterik)
Wenn man heute in der Spiritualität oder in Fantasy-Geschichten von der »Merkaba« hört, ist fast immer eine neuere, moderne Vorstellung gemeint.
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Das geometrische Feld: In der New-Age- und Esoterik-Bewegung ist die Merkaba ein persönliches »Lichtfahrzeug« für die Seele des Menschen. Man stellt sie sich als ein geometrisches Energiefeld vor, das jeden Körper umgibt.
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Der 3D-Davidstern: Das bekannteste Bild dafür ist ein sogenannter »Sterntetraeder«. Das sind zwei Pyramiden (genauer gesagt Tetraeder), die ineinander gesteckt sind – so ähnlich wie ein dreidimensionaler Davidstern.
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Das spirituelle Raumschiff: Anhänger dieser Lehre glauben, dass diese beiden Pyramiden (eine für männliche, eine für weibliche Energie) in entgegengesetzte Richtungen rotieren. Wenn man durch Meditation lernt, diese Rotation bewusst zu »aktivieren«, soll die Merkaba zu einem spirituellen Fahrzeug werden. Sie soll dem Geist Reisen in andere Dimensionen, höheres Bewusstsein oder den Kontakt mit Engeln ermöglichen.
Man kann also sagen: Die Merkaba war schon immer ein »Fahrzeug« – früher das Fahrzeug Gottes, heute ein Fahrzeug für den menschlichen Geist.