Manichäismus
Der Manichäismus war eine der großen Weltreligionen der Antike und verbreitete sich von Europa bis nach China. Gegründet wurde er im 3. Jahrhundert n. Chr. von dem Propheten Mani, der in Persien lebte.
Der Große Kosmische Mythos
Der Kern des Manichäismus ist ein unglaublich detailreicher und spannender Mythos, der erklärt, wie die Welt entstanden ist. Man kann ihn sich wie den Hintergrund einer großen Fantasy-Geschichte vorstellen. Die Grundidee ist ein strenger Dualismus (Zweiheits-Glaube):
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Am Anfang: Es gab nicht einen Gott, sondern zwei völlig getrennte und gleich mächtige, ewige Reiche.
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Das Reich des Lichts: Ein Ort der Güte, Ordnung und Weisheit, regiert vom »Vater der Größe«.
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Das Reich der Finsternis: Ein Ort des Chaos, des Bösen und der Gier, regiert vom »König der Finsternis« (oder dem »Fürsten der Finsternis«).
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Der Angriff: Die Finsternis bemerkte das Licht, wurde neidisch und griff es in einer kosmischen Schlacht an.
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Die Katastrophe: Um den Angriff abzuwehren, schickte das Lichtreich einen Helden (den »Urmenschen«). Dieser wurde jedoch besiegt, und Teile seines Licht-Wesens wurden von der Finsternis verschlungen und gefangen genommen. Diese verlorenen »Lichtfunken« sind der Kern dessen, was wir heute als Seele kennen.
Die Welt als Gefängnis
Laut dem Manichäismus ist die Welt, in der wir leben, kein gutes Werk. Sie wurde vom König der Finsternis erschaffen, und zwar mit einem bestimmten Zweck: Die gefangenen Lichtfunken (unsere Seelen) für immer einzusperren.
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Der Körper des Menschen gilt daher als ein Gefängnis der Finsternis.
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Die Seele des Menschen ist der göttliche Lichtfunke, der darin gefangen ist.
Das Ziel des Lebens
Für Anhänger des Manichäismus (die »Manichäer«) war das Ziel des Lebens klar: Sie mussten ihren eigenen Lichtfunken aus dem Gefängnis des Körpers und der Materie befreien.
Das erreichten sie durch:
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Geheimes Wissen (Gnosis): Mani (der »Erlöser«) brachte den Menschen das Wissen darüber, wer sie wirklich sind (nämlich Lichtfunken) und wie sie entkommen können.
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Strenge Regeln: Manichäer lebten sehr asketisch. Die »Auserwählten« (der innere Kern der Religion) durften kein Fleisch essen, keinen Alkohol trinken und nicht heiraten, um nicht noch mehr Lichtfunken an die materielle Welt zu binden.
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Befreiung: Sie glaubten, dass die Seele nach dem Tod – wenn sie rein genug war – endlich befreit würde und in das ewige Reich des Lichts zurückkehren könnte.
Diese Idee einer bösen materiellen Welt und einer guten, gefangenen Seele war extrem einflussreich und taucht in vielen späteren Geheimbünden und Fantasy-Erzählungen wieder auf.